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Reisebericht von Jonas Walter, Mai-Juni 2007

Hallo Muzungus

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Reisebericht I, Simon Wionski und Florens Eckert, 2003

Ab nach Afrika

"Mzungu, Mzungu" rufen die Kinder am Straßenrand, "How are you, how are you?" Es ist eine rhetorische Frage, und dem obligatorischen "I´m fine, how are you?" folgt eine kleiner Freudentanz. "Mzungo", das heißt auf Runyoro, der Sprache der Bunyoro im Westen Ugandas, eigentlich bloß "Engländer". Aber auf so einen feinen Unterschied kommt es nicht an. Was allein zählt ist - der eine ist weiß, alle anderen sind schwarz.

Zwei Monate, Juni und Juli 2003, verbrachten wir nach unserem Abitur beziehungsweise Zivildienst in einem Heim für bedürftige Kinder in der Kleinstadt Kagadi, Uganda. Zwei Monate, in denen wir die Attraktion für die zahlreichen Kinderscharen in den Straßen Kagadis waren, für die es ein Vergnügen ist, uns am Arm zu berühren, um zu erfahren, wie sich weiße Haut anfühlt; zwei Monate, in denen wir auch Schattenseiten Afrikas kennenlernten. Alles in allem aber zwei Monate, in denen wir eine traumhafte Zeit in einer anderen Wirklichkeit verbrachten.

` Motive

Wie kamen wir darauf, freiwillig Fernsehen und warmem Duschen zu entsagen, um uns auf einen Kontinent zu wagen, über den die Zeitungen hierzulande nicht viel Gutes zu berichten wissen? Ein wertvolles halbes Studienjahr "zu verschenken" in einer Zeit, in der das Alter deutscher Hochschulabsolventen nah an ihre Lebensarbeitszeit heranreicht? So genau können wir das auch im Nachhinein selbst nicht bestimmen. Wohl aus einem diffusen Gefühl heraus, nicht der scheinbar unausweichlichen Logik der Zeitknappheit folgen zu müssen. Vor dem Eintauchen in die weite theoretischen Welt der Universität nochmal die Gelegenheit am Schopf zu packen, "raus" zu gehen, ein anderes Leben in einem anderen Teil der Welt kennenzulernen. Und dabei - nach der (Abiturs-) Büffelei ist vor der (Studiums-) Büffelei - dem Kopf eine schöpferische Pause gönnen, die Hirnzellen-Akkus aufladen, sie mit neuen Reizen auseinandersetzen. Vielleicht nicht gänzlich unerwähnt bleiben sollte auch der "handfeste" praktische Nutzen bei Bewerbungen, die einen freiwilligen sozialen Einsatz wertschätzen.

` Der Verein

So machten wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Projekt, und fanden Bernhard Kalt. Der ehemalige Heidelberger Gymnasiallehrer für Deutsch und Religion hatte nach seiner Pensionierung aus dem Bedürfnis heraus, einen bleibenden Wert zu schaffen, die Initiative ergriffen und auf eigene Faust ein Schülerwohnheim für bedürftige Kinder aus dem Boden gestampft, samt Verein, der dieses finanziell trägt.

Seit den Anfängen im Jahr 1997 hat dieser Verein Beachtliches gleistet. In Uganda, wo die siebenjährige Grundschule erst seit kurzem gebührenfrei ist, brechen sechs von zehn Kindern die Schule vorzeitig ab. Viele von ihnen müssen zum Unterhalt ihrer Familien beitragen. An der hohen Analphabetenrate wird sich so schnell nichts ändern, ebensowenig am enormen Bevölkerungswachstum, dem Höchsten selbst im kinderreichen Afrika. Das bremst die Entwicklung wie die Reduzierung der Armut. Durch unser "Hostel For The Needy Children" haben je 20 Mädchen und Jungen, viele von ihnen Halb- oder Vollwaisen, die Möglichkeit, aus einem gesicherten Umfeld heraus die Schule zu besuchen.

Für uns als Freiwillige hat dieser Verein "Uganda-Hilfe Kagadi e.V." einen entscheidenden Vorteil: Im Gegensatz zu großen Hilfsorganisationen, die ihre Bewerber oft mit hohen Hürden konfrontieren, die Dienstleistenden gegen eine zusätzlich zu den Reisekosten anfallende Vermittlungsgebühr nur für eine Mindestzeit von 12 Monaten entsenden, öffnet sich uns der Weg in die "3. Welt" un-, ja geradezu antibürokratisch. Nach Herrn Kalts Philosophie sollen junge Wohlstandskinder, die ein Interesse für Afrika zeigen, keine zusätzlichen Steine aus dem Weg zu räumen haben. So empfängt er auch unser Ansinnen mit offenen Armen: Ihr wollt nach Uganda? Na toll, ab geht´s!

Doch sind wir trotz, oder vielleicht grade wegen dieser Einfachheit nicht frei von Zweifeln. Machen wir es uns zu leicht, überschätzen wir unsere Fähigkeiten? Schon alle Vorbereitungen müssen wir weitgehend auf uns allein gestellt übernehmen. Visum, Versicherung, welche Impfungen sind sinnvoll? Und je näher der Abflug rückt, desto drückender erreichen uns die Hiobsbotschaften aus dem benachbarten Kongo.

Ein paar Treffen in familiärer Athmosphäre mit unseren Vorgängern ersetzen die bei großen Vereinen obligatorischen Vorbereitungsseminare. Vor allem die persönliche Begleitung während der ersten beiden Wochen durch "Mr. Bernhard", wie Herr Kalt in Kagadi besser bekannt ist, erleichtert uns den Einstieg.

Er hat nicht zu viel versprochen; Viel unmittelbarer dürfte es für einen Europäer, der zum ersten mal den schwarzen Kontinent bereist, nicht möglich sein, afrikanischen Alltag zu erfahren.

` Abenteuer Verkehr

Da bleibt schon bei der Anfahrt der Toyotakleinbus, das Matatu, wenige Kilometer vor unserem Zielort stehen - der Tank ist leer! Denn Benzin ist im Verhältnis unerhört teuer, und muss daher eng kalkuliert werden. Doch Improvisation ist Trumpf. Der Fahrer verschwindet im Busch, um nach einiger Zeit wieder aufzutauchen mit einer Tüte Sprit, die uns bis nach Kagadi bringen wird. Leere Tanks haben einen weiteren Vorteil - bei einem Diebstahl kommt der Wagen nie besonders weit!

Überhaupt ist der Verkehr ein kleines Abenteuer für sich - wie eine Sightseeingtour geht es für 200 Kilometer auf der Überlandstraße, einer Erdpiste, fünf Stunden durch dichtes Grün, dazwischen die immer gleich aussehenden Dörfer. Es herrscht Linksverkehr, das heißt für den seltenen Fall einer Begegnung mit einem anderen Fahrzeug weichen wir im letzten Bruchteil einer Sekunke nach links aus, ansonsten ist das eher ein "Zentralverkehr" - man fährt dort, wo es die Straße am besten und mit dem höchsten Tempo zulässt. Bremsen für Fußgänger, Radfahrer, oder gar die vielen Tiere, Ziegen, Hühner, Kühe mit ihren schier endlosen Hörnern, ist eine zivilsatorische Errungenschaft, die sich in den Köpfen der Fahrer noch nicht durchgesetzt hat.

Und eng ist es, viel zu eng, eigentlich immer. Denn, man denke an die Spritpreise, eine Fahr lohnt nur, wenn der Wagen mindestens bis auf den letzten Platz gefüllt ist, und das Fastnachtsmotto "einer geht noch rein" nehmen die Kondukteure durchaus wörtlich. So erübrigen sich auch Fahrpläne. Abfahrt ist, wenn das Fahrzeug (zu) voll ist. Da passiert es schon, dass wir einige Stunden in der Mittagssonne des Busbahnhofs auf der Rückbank schmorend zu warten haben. Doch langweilig ist es eigentlich nicht, der "New Taxi Park" gleicht einem chaotisch-geschäftigen Ameisenhaufen. Uhren-, Getränke-, Essensverkäufer sind erfreut über die potentielle weiße Kundschaft.

Eilig hat es niemand, die Afrikaner sind Weltmeister im stoischen Warten. Da können wir aus unserem abgehetzten Deutschland einiges lernen. Die Europäer erfanden die Uhr, habe ich irgendwo gelesen, die Afrikaner erfanden die Zeit.

Aufregend ist auch das Bodaboda-Fahren in der Hauptstadt Kampala. Wer auf diesen Mopedtaxis vergisst, die Beine einzuziehen, darf sich nicht wundern, am nächsten Seitenspiegel hängenzubleiben.

Doch die meiste Zeit verbringen wir, weitgehend verkehrslos, in unserem Hostel For The Needy Children in Kagadi. Und auch hier sind wir "mittendrin, statt nur dabei". Besuchen die Familien der Angestellten und der Kinder, sind "welcome, most welcome". Werden, um das nochmal zu unterstreichen, von den meist sehr armen Familien mit Geschenken überhäuft, Avocados, Ananas, immer wieder Zuckerrohr, sogar ein (lebendes) Huhn ist dabei. Eine verkehrte Welt ist das, in der die Armen es sich nicht nehmen lassen, die "Reichen" zu beschenken.

Wir besuchen auch die Grundschule der Hostelkinder, wo uns der Lehrer, Mr. James, als Lehrer aus Deutschland vorstellt. Um ihn nicht bloßzustellen, versuchen wir uns im Unterrichten und freuen uns an der neuen Profession.

` Weiß sein

Trotz aller Willkommenheit bleiben wir doch, unübersehbar, weiße Gäste.

Weiß zu sein, das bedeutet privilegiert zu sein. Im Sammeltaxi selbstverständlich vorne zu sitzen. (Obwohl es zu dritt neben dem Fahrer des Kleinwagens doch schon wieder ziemich eng wird.) Grenzenlose Gastfreundschaft zu genießen, wie wir auf unserer abschließenden Reise festellen können. In einem - sehr zum Bedauern der Offiziellen - vom Tourismus weitgehend unerschlossenen Land wie Uganda sind die Einheimischen Fremden gegenüber sehr aufgeschlossen, sichtlich erfreut darüber, dass überhaupt einer die Strapazen auf sich nimmt, ihr Land zu besuchen. Als Weitgereiste verkehren wir, quasi per Hautfarbe, auf Augenhöhe mit dem Bischof.

Weiß zu sein bedeutet aber auch, stets das lohnende Opfer zu verkörpern, und sei es nur für eine kleine Gaunerei und überhöhte Preise, die man den schlitzohrigen Straßenhändlern nicht mal verdenken kann. Dabei mag unsere Hautfarbe unterschiedlich sein, es fließt doch in unseren Adern das gleiche rote Blut - erklärt uns ein junger Mann in Kampala, während er uns ein Stück Bindfaden für mehrere Euro verkaufen will. Schwarz anmalen müsste man sich können, nur für ein paar Tage, ein paar Stunden, um zu sehen, wie das dann ist, in Uganda.

Signifikant bleibt bei aller Selbstbeschränkung, der wir uns um der Anpassung willen gerne unterwerfen, ein kleiner feiner Unterschied: Wenn wir mit einem Hauch bäuerlicher Romantik zur Pumpe marschieren, um für unsere von Hand zu waschende Wäsche einige Liter Wasser zu Tage zu fördern, machen wir das, weil wir es so gewollt haben - und für einen sehr begrenzten Zeitraum. Die Kinder, hinter denen wir in der Schlange anstehen, haben keine andere Wahl - ihr ganzes Leben lang. Und selbst für diese mickrigen zwei Monate bewegen wir uns, obwohl Tür an Tür schlafend, auf einem anderen Level. Sind geimpft, versichert, und können jederzeit die Not-Reißleine "vorzeitiger Abflug" ziehen. Dass wir, nach einigen Tagen der Eingewöhnung die empfohlenen übermäßigen Vorsitchtsmaßnahmen nach und nach über Bord werfend, barfuß herumlaufen, wo wir uns doch Schuhe leisten könnten, bleibt den Einheimischen sowieso abslolut unverständlich.

Dabei sind diese allgemeinen Betrachtungen nur ein Nebenprodukt unserer eigentlichen Beschäftigung:

Ist doch der Besuch junger Freiwilliger unverzichtbar für die Kommunikation zwischen Verein und dem Projektpartner vor Ort, der katholischen Pfarrgemeinde. So ist gewährleistet, dass der Kontakt lebendig bleibt, und die Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden.

` "Arbeiten" mit den Kindern

Neben dieser wichtigen "Kontrollfunktion" widmen wir uns aber hauptsächlich sozialpraktischen Aufgaben, beschäftigten uns also mit den Kindern. Unsere "Arbeit" besteht in diesem Fall aus Spielen, Freundschaften schließen, aber auch Nachhilfe, besonders in Englisch, zu geben. Denn da die Lehrer den Schulunterricht fast ausschließlich in Englisch halten, ist es logischerweise für die Kinder unverzichtbar, zumindest einfache Fragen verstehen und beanworten zu können.

In der Praxis sieht das freilich etwas anders aus. So individuell jedes einzelne Kind ist, so unterschiedlich sind die Fähigkeiten im Umgang mit der fremden Sprache. Denn obwohl Englisch die offizielle Landessprache ist, wird sie in den einfachen Familien, denen unsere Kinder entstammen, von den Wenigsten beherrscht. (Entsprechend wenig bekommen diese Familien von der Politik ihres Landes mit.) In den viel zu großen Schulklassen können selbst engagierte Lehrer nicht auf die langsamen Lerner Rücksicht nehmen.

Doch gerade für die Schwachen ist es wichtiger denn je, ihren Rückstand in Verstehen, Lesen und Ausdruck aufzuholen, um sich zunächst in der Schule, später im Geschäftlichen, behaupten zu können. Im Hostel-Alltag ist das strikte English-only noch ein Wunschtraum (selbst unsere Köchinnen und Arbeiter haben da zum Teil große Schwierigkeiten) - doch ist jede gelungene Konversation ein kleines Erfolgserlebnis auf dem Weg zum fließenden Sprechen und Verstehen.

So sehen wir unsere pädagogische Hauptaufgabe darin, Nachhilfe in Englisch und Mathematik zu geben. Für die Sprache bedeutet das das einfache "Konzept", soviel wie möglich mit den Kindern ins Plaudern zu kommen, zunächst auch mal ihr Vertrauen zu gewinnen, was natürlich am besten übers Spielen funktioniert. Denn während einige von Anfang an kontaktfreudig sind, müssen wir uns bei anderen lange mühen, die manchmal harte Schale "zu knacken", Scheu und Hemmungen uns Fremden gegenüber abzubauen

Während der langen Schultage unserer Schützlinge (von 8 bis 17 Uhr!) schauen wir neben zahlreichen - zum Teil lesend in der Hängematte verbrachten - Mußestunden, wie wir organisatorisch dazu beitragen können, das das Projekt auch weiterhin prosperiert. Wir erfahren, dass die Investitionen der vergangenen Jahre das Hostel in Kagadi fest haben Wurzeln schlagen lassen. Die große Herausforderung für die nächste Zeit wird sein, unseren Kindern Perspektiven über die Schule hinaus aufzuzeigen. Problematisch wird es im Januar 2005, wenn voraussichtlich gleich elf Schulabgänger wissen wollen, wie es mit ihnen weitergeht.

Gleichzeitig ist dieser "Entwicklungshilfedienst" wie Abenteuer-Ferien auf dem Bauernhof - nur dass im Feld neben Mais und Bohnen die Mangos, Ananas, Papayas wachsen, und Schweine im Kofferraum oder auf dem Beifahrersitz transportiert werden. Ganz nebenher lernen wir, Ratten zu erschlagen und Hühner verkaufsgerecht zu verschnüren.

Nur etwa 200 km Luftlinie westlich sichern französische Soldaten den "Frieden" im benachbarten Kongo. Und wir leben in einem kleinen Paradies. Welten liegen dazwischen.

` Der Besuch des Mr. Bush

Aber auch das stabile Uganda ist nicht frei von Problemen: neben der allgemeinen Armut beschäftigt besonders der seit Jahrzenten schwelende Bürgerkrieg im Norden die Politik. Und Aids ist, wie in allen afrikanischen Staaten, derart weit verbreitet, dass schon die Volkswirtschaft am Schrumpfen der gewerblich aktiven Bevölkerungsschicht spürbar leidet. Aids trifft besonders die Jungen, die Lehrer, die Farmer. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei nur 44 Jahren.

Doch seit der Machtübernahme des Präsidenten Museveni im Jahre 1986 gibt es Fortschritte zu verzeichnen. Zwar war seine Machtübernahme wie die meisten in Afrika keine friedliche (im Guerillakrieg besiegte er die Nachfolger des berüchtigten, erst kürzlich im saudischen Exil verstorbenen Idi Amin) und herscht bis heute - gewählt - in einer zumindest ungewöhnlichen "Kein-Parteien-Demokratie". Doch gilt besonders seine Kampagne zur Bekämpfung von HIV-Neuinfizierungen als vorbildlich. Das brachte Uganda immerhin Beachtung während der Afrikareise George W. Bushs ein - nach Bill Clinton erst der zweite amtierende US-Präsident, der den schwarzen Kontinent betritt. Ganze vier Stunden weilt Mr. Bush in Flughafennähe auf ugandischem Boden. Das Land überschlägt sich vor Begeisterung, teert die Straßen, die der Präsident möglicherweise zu befahren gedenkt, und rodet Bananenplantagen der Kleinbauern, die den Blick auf das prestigeträchtige Aids-Krankenhaus verstellen.

In Kagadi, immerhin größte Stadt im Kibale District, ist von dieser Aufregung nichts zu spüren. Hier sind die Beatles unbekannt, Italien ist kein Begriff, und George W. Bush, naja, den Namen hat man zumindest schon mal gehört. Abgeschieden von der weiten Welt lebt es in seinem eigenen Rhytmus und gibt uns Ausländern die Möglichkeit, die kulturellen Unterschiede zu erleben, sei es der höfliche Kniefall der Frauen zu Begrüßung, sei es die unglaubliche Langsamkeit, oder ist es bloß Gelassenheit?

Letztendlich haben wir uns bewiesen, das uns ein paar Schlaglöcher und der obligatorische Durchfall nicht umwerfen, wir haben weit weniger geschwitzt und gehungert als erwartet und betrachten nun die ein oder andere Verspätung der Deutschen Bahn und die Reform des deutschen Sozialstaats in neuer Relation.

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Reisebricht II (aus dem Rundbrief) Simon Wionski und Florens Eeckert, Juni/Juli 2003

"Do we have a new Matron? - Yes we have a new Matron!" "When Father Steven went to Hoima, did they bring us a new father? - Yes, they brought us a new father!" Soweit die Fakten, zu lesen in der Composition about the Hostel, die unsere Kinder im Auftrag ihrer neuen Matron, "Auntie" Anna-Maria Kajumba Akiiki, als kleine Englischübung angefertigt haben. Ebenfalls aus einer der Compositions: "Did you know that our children are good children? They speak only English every day!" Naja, fast, aber wahr ist: Zumindest offiziell dürfen unsere Kinder im Hostel, selbst untereinander, nur noch die Sprache der alten Kolonialmacht sprechen. Denn da die Lehrer den Schulunterricht fast ausschließlich in Englisch halten, ist es logischerweise für die Kinder unverzichtbar, zumindest einfache Fragen verstehen und beanworten zu können.
In der Praxis sieht das freilich etwas anders aus. So individuell jedes einzelne Kind ist, so unterschiedlich sind die Fähigkeiten im Umgang mit der fremden Sprache. Denn obwohl Englisch die offizielle Landessprache ist, wird sie in den einfachen Familien, denen unsere Kinder entstammen, von den Wenigsten beherrscht. (Entsprechend wenig bekommen diese Familien von der Politik ihres Landes mit.) In den viel zu großen Schulklassen können selbst engagierte Lehrer nicht auf die langsamen Lerner Rücksicht nehmen.
Doch gerade für die Schwachen ist es wichtiger denn je, ihren Rückstand in Verstehen, Lesen und Ausdruck aufzuholen, um sich zunächst in der Schule, später im Geschäftlichen, behaupten zu können. Im Hostel-Alltag ist das strikte English-only noch ein Wunschtraum (selbst unsere Köchinnen und Arbeiter haben da zum Teil große Schwierigkeiten) - doch ist jede gelungene Konversation ein kleines Erfolgserlebnis auf dem Weg zum fließenden Sprechen und Verstehen.
So haben wir unsere pädagogische Hauptaufgabe darin gesehen, Nachhilfe in Englisch und Mathematik zu geben. Für die Sprache bedeutete das das einfache "Konzept", soviel wie möglich mit den Kindern ins Plaudern zu kommen, zunächst auch mal ihr Vertrauen zu gewinnen, was natürlich am besten übers Spielen funktionierte. Denn während einige von Anfang an kontaktfreudig waren, mussten wir uns bei anderen lange mühen, die manchmal harte Schale "zu knacken", Scheu und Hemmungen uns Fremden gegenüber abzubauen.

Wir hatten den Eindruck, dass die Art unserer neuen Matron Anna-Maria das Hostel zu leiten, nämlich weniger autoritär, mehr auf ein freundschaftliches Verhältnis zu den Kindern zielend, dazu beiträgt, die Kinder "lebendiger" werden zu lassen, was sich allgemein positiv auf die Stimmung im Hostel auswirkt. Disziplin und Arbeitseifer dürfen dabei natürlich nicht auf der Strecke bleiben. Da sie als neue Heimleiterin im Handhaben verschiedener Abläufe noch nicht festgelegt war, suchte sie bei ihren Überlegungen oft unseren Rat, so dass wir etwas von unseren "westlichen" Erziehungsidealen mit einbringen konnten.
Doch nicht nur die Matron ist neu, wir konnten dieses Jahr ebenfalls drei neue Kinder begrüßen: Jessica und Catherine aus der zweiten und Habat aus der vierten Klasse fügen sich gut in die Gemeinschaft ein.
Schon gar nicht mehr ganz so neu ist unser Father Banura Francis. Zwar ist er als einziger katholischer Pfarrer der Stadt ein vielbeschäftigter Mann, doch das Wohlergehen der Kinder und des Hostels liegen ihm am Herzen.
Wir als Gäste sind ihm dankbar für seine Hilfe bei Problemen jeglicher Art, aber auch für alle unsere Ideen rund ums Hostel hatte er immer ein offenes Ohr.
So steht im Raum, mittelfristig eine professionelle Nachhilfe zu engagieren, denn wie wir beim allabendlichen Hausaufgabenbetreuen bemerkt haben, stehen unsere Kinder speziell mit der Mathematik schwer auf Kriegsfuß. Weil unsere Bemühungen als Grundschullehrer wie der Tropfen auf dem heißen Stein wohl nur geringe Spuren hinterlassen werden, könnten wir uns vorstellen, auf diese Art nachhaltigere Lernerfolge zu erzielen. Wir müssen erreichen, dass unsere Kinder trotz der ungünstigen Umstände nach der siebenjährigen Grundschule unter den gegebenen Möglichkeiten optimal auf ihr weiteres Leben vorbereitet sind!
Während der langen Schultage unserer Schützlinge (von 8 bis 17 Uhr!) haben wir neben zahlreichen Mußestunden geschaut, wie wir organisatorisch dazu beitragen können, das unser Projekt auch weiterhin prosperiert. Wir haben erfahren, dass die Investitionen der vergangenen Jahre das Hostel in Kagadi fest haben Wurzeln schlagen lassen. Die große Herausforderung für die nächste Zeit wird sein, unseren Kindern Perspektiven über die Schule hinaus aufzuzeigen. Zu Beginn dieses Jahres haben mit Sarah Nakachwa und Rebecca Mbabazi die ersten Mitglieder unserer Hostelfamilie die (weitgehend kostenfreie) Primaryschool vollendet. Da beide Mädchen hervorragende Schülerinnen sind, hat der Verein beschlossen, ihnen eine Ausbildung an weiterführenden Schulen zu ermöglichen, in deren angeschlossenen Internaten sie jetzt auch wohnen. In vier Jahren werden sie dort das sogenannte 0-Level erreichen. Anfang nächsten Jahres wird ein weiteres Mädchen, Sarah Asiimwe, Primary 7 beendet haben, doch problematisch wird es im Januar 2005, wenn voraussichtlich gleich elf Kinder wissen wollen, wie es mit ihnen weitergeht.

Bis dahin ist glücklicherweise noch etwas Zeit. Die bereits im letzten Rundbrief erwähnte Werkstatt steht kurz vor ihrer Vollendung - ein großes, solides Gebäude, das wohl noch mit einem Gäste- (Arzt?-) Zimmer, Wassertank und Solarpannels versehen werden wird. Dort können sich einige unserer Kinder unter Anleitung hoffentlich im Schreinern und Nähen üben. Die Idee, im neuen Haus eine Solarkocherwerkstatt für Kagadi aufzubauen, erweist sich leider bisher in der Praxis als nicht umsetzbar.

Von besonderer Bedeutung wird unseres Erachtens die Landwirtschaft sein (rund 80 % der Bevölkerung Ugandas arbeitet zur Zeit in der Selbsversorgerlandwirtschaft) - wir haben einen hochqualifizierten Farmmanager, Mr. Gerald, eingestellt, der die Produktivität unseres Farmlandes erheblich steigern soll. Wir planen außerdem, sehr bald eine Kaninchenzucht aufzuziehen, die zunächst den (zur Zeit sehr dürftigen) Speiseplan unserer Kinder bereichern wird.
Ziel ist es, dass Landwirtschaft und Viehzucht noch stärker als bisher dazu beitragen, dass unser Projekt selbst zu seinem Unterhalt beisteuert. Vor allem aber sollen die Kinder in diesem wichtigen Gebiet (das auch als Schulfach unterrichtet wird) unter Geralds fachkundiger Anleitung zu kleinen Experten werden, auf dass sie in Zukunft ihre eigenen Felder erfolgreich bestellen oder auch innerhalb unseres Projekts Beschäftigung finden werden. Möglicherweise können wir auch flächenmäßig noch expandieren.

Zum Ende unseres Berichts noch zwei kleine symbolträchtige Begebenheiten: Bei unserer Ankunft pflanzten wir etwas Salat, Radieschen und Karotten. Bei günstigster, regenreicher Witterung ist unsere Saat aufgegangen (naja, zumindest zu 2/3), und zum Abschiedsfest konnten wir uns alle gemeinsam an den Früchten unserer Arbeit erfreuen.
Und wenige Tage vor unserer Abfahrt hat eine Sau rekordverdächtige 12 Ferkel zur Welt gebracht - wenn das kein gutes Omen für die Zukunft ist.

Für uns war es neben der "Arbeit" mit den Kindern die Gastfreundschaft, die unser Bild von Uganda geprägt hat; in einer so untouristischen Gegend sind die Einheimischen sehr aufgeschlossen für Fremde und erfreut, dass man überhaupt ihr Land besucht.
Wo immer wir im Ort auftauchten, Bekanntschaften und Freundschaften schlossen, haben wir große Dankbarkeit erfahren. Der standen wir stets mit etwas gemischten Gefühlen gegenüber, denn für uns können wir sagen, dass wir von den zwei Monaten persönlich mehr profitiert als wir an handfestem Beitrag geleistet haben. Entscheidend für eine "erfolgreiche" Zeit in Kagadi scheint vielmehr, offen mit gutem Willen einfach anwesend und für die Kinder da zu sein, anteilzunehmen.
Daher wollen wir diese Dankbarkeit, die wir erfahren haben gradewegs weiterleiten an die, die diese Arbeit und damit unseren Besuch erst ermöglicht haben, die Freunde und Förderer unseres Projekts.

In unseren letzten Tagen haben wir zusammen mit den Kindern einige traditionelle afrikanische und Kirchenlieder aufgenommen, die wir zurück in Deutschland auf einer Cd verewigt haben. Wer Interesse an so einer Cd hat, kann sich am besten vor der Jahreshauptversammlung bei Simon melden (Telefon 06134-3810), so können wir ein weiteres Stück Kagadi nach Deutschland bringen.
Last but not least sind wir dabei, eine Homepage zu basteln; auf www.ugandahilfe-kagadi.de müsste es bald möglich sein, Berichte und Fotos online zu sehen, auf dass immer mehr Leute von unserem Projekt erfahren und weitererzählen werden.

Florens Eckert, 21, und Simon Wionski, 20, waren vom 1. Juni an für zwei Monate in Kagadi

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Reisebericht von Bianca Hörig, März-Mai 2003

Liebe Freunde der Uganda Hilfe Kagadi,

fünf Monate habe ich in Uganda verbracht, drei davon - Anfang März bis Anfang Juni - in Kagadi im St. Josephs Hostel. Ich habe die Zeit dort sehr genossen.

Das vergangene halbe bis dreiviertel Jahr hat viele Veränderungen im Hostel mit sich gebracht: Als Ende letzten Jahres Josephine erkrankte und ihre Arbeit nicht fortführen konnte, mussten sich die Kinder an Jane als ihre neue Matron gewöhnen. Dabei war aber nicht klar, ob sie für länger bleibt oder Josephine nur für kurze Zeit vertritt. Jane ist die Pfarramtssekretärin der katholischen Gemeinde und hat sich trotz ihres Jobs dort, den sie natürlich weiterhin ausgefüllt hat, recht gut in den Arbeitsalltag des Hostels eingefügt und die Kinder nach Kräften betreut und angeleitet. Dazu kam, dass Father Stephen im Januar nach Hoima versetzt wurde und Father Banula Francis als Gemeindepfarrer nach Kagadi kam. Eine weitere neue Person, an die sich die Kinder gewöhnen mussten. Außerdem haben unsere ältesten Mädchen, Mbabazi Rebecca und Nakachwa Sarah, letztes Jahr die Primary School abgeschlossen, und zum vergangenen Term das Waisenhaus verlassen, um auf weiterführende Secondary Schools zu gehen. Noch eine Veränderung und ein Verlust für die Kinder.

Father Francis hat sich sehr schnell in der Gemeinde eingelebt und konnte sofort einen guten Kontakt zu den Kindern aufbauen, um ihnen bestmöglich das Gefühl von Kontinuität zu vermitteln. Als Bernhard Kalt, Ben Olbert und ich im März nach Kagadi kamen, konnten wir uns davon überzeugen, dass er bereits nach so kurzer Zeit eine intensive Beziehung zu den Jungen und Mädchen aufbauen konnte. Allerdings mussten wir aber leider auch feststellen, dass Josephine zwar auf dem Weg der Besserung, aber immer noch zu schwach war, um ihre Arbeit im Waisenhaus fortzuführen. So schauten wir uns also nach einer neuen Matron um, die sich wieder ausschließlich den Kindern widmen konnte. Auf Empfehlung von Father Francis lernten wir Kajumba Anna-Maria kennen und waren auf Anhieb begeistert. Sie hat zum 15. März ihre Arbeit im Hostel begonnen..

Aufgrund der geschilderten Veränderungen war es nicht verwunderlich, dass die Kinder sehr zurückhaltend, ja fast verängstigt waren, als ich in Kagadi ankam. Anfänglich beantworteten sie die Standardfragen nach ihrem Namen und der Klasse, in die sie gehen in bestem Englisch. Doch wenn ich weitergehende Fragen stellte, erhielt ich meist nur ein betretenes Schweigen zur Antwort. Es dauerte einige Tage, bis ich herausfand, dass viele der Kinder mich aufgrund mangelnder Englischkenntnisse entweder nicht verstanden oder aber sich nicht trauten mir zu antworten, aus Furcht, einen Fehler zu machen. Dass einige von ihnen so wenig Englisch sprechen ist fatal, denn der gesamte Schulunterricht wird in Englisch abgehalten. Durch die große Klassenstärke (z.B. bis zu 120 Kinder in der
5. Klasse) ist eine individuelle Betreuung durch die Lehrer fast nicht möglich. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder dem Unterricht oft nicht folgen können und schlechte Noten schreiben. Deshalb habe ich meine Priorität im Unterrichten der Kinder auf die Konversation mit ihnen gelegt, habe sie immer wieder zum Sprechen ermutigen und Vokabeln vermittelt.

Doch auch ich habe viel von den Jungen und Mädchen gelernt. Jeden Tag habe ich fleißig die Landessprache Runyoro geübt, muss aber bekennen, dass ich über ein paar Begrüßungs- und Verabschiedungsformeln sowie einige Standardsätze nicht heraus gekommen bin. Besonders viel Spaß hat es uns auch immer gemacht, zusammen zu singen und zu tanzen. Wir haben uns gegenseitig Lieder beigebracht, in Englisch, Runyoro und sogar in Deutsch (!) und ich konnte einige Trommelrhythmen von den Kindern lernen.

Während der Zeit, in der ich in Kagadi war, konnten wir drei neue Schüler im Waisenhaus aufnehmen: Zwei Mädchen, Kunihira Jessica und Nantimba Catherine, gehen in die zweite Klasse und ein Junge, Asiimwe Herbat, in die fünfte. Alle drei sind von der Hostelfamilie sehr herzlich aufgenommen worden und haben sich in kürzester Zeit wunderbar integriert.

Als es Mitte Mai für zwei Wochen Ferien gab, durften die Jungen und Mädchen ihre Familien in den Dörfern besuchen. Da war die Freude natürlich groß und in der Nacht vor der Abreise hat kaum eines der Kinder ein Auge zugetan vor Aufregung. Während der Ferien hat Anna-Maria dann ihre Arbeit im Hostel aufgenommen und als die Kinder wieder zurückkamen, hatte sie sich bereits gut eingewöhnt und mit den Arbeitsabläufen vertraut gemacht. Sie hat einen kleinen sechsjährigen Sohn, Agaba Januarius, der mit seinen neuen "Geschwistern" ganz schnell dicke Freundschaft geschlossen hat. Leider konnte ich nur wenige Tage mit Anna-Maria und den Kindern gemeinsam verbringen bevor ich abreisen musste. Aber auch die kurze Zeit reichte aus, um mich davon zu überzeugen, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, eine neue Matron einzustellen. Anna-Maria hat mit ihrer offenen und verbindlichen Art die Herzen der Kinder im Sturm erobert. Sie nennen sie liebevoll Auntie, was soviel wie Tante bedeutet. Mehr dazu können sicher meine "Nachfolger", Simon und Florens, berichten, die ich noch vor meiner Abreise in Kagadi zusammen mit Bernhard Kalt begrüßen konnte.

An meinem letzten Abend gaben mir die Kinder noch eine tolle Abschiedsparty, liebevoll organisiert von Anna-Maria. Zahllose herzliche Reden wurden gehalten und so ließ es sich nicht vermeiden, dass beim Auf Wiedersehen sagen viele, viele Tränen flossen. Ich bin glücklich, dass ich die drei Monate in Kagadi verbringen durfte und sehr dankbar für all die Liebe und Freundschaft, die mir von Kindern und Erwachsenen im Hostel und außerhalb entgegengebracht wurde.

Bianca Hörig

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Reisebericht von Tanja Frietsch, Sommer 2002

Ein jahrelanger Traum ging in Erfüllung als ich im Sommer 2002 im „hostel for needy children“ in Kagadi, einer Kleinstadt im Westen von Uganda, ankam. Dort wurde ich von 40 jubelnden Kindern mit strahlenden Gesichtern in Empfang genommen und auch sofort mit mehreren Tänzen und Liedern willkommen geheißen. Solch einen überwältigenden Empfang hatte ich bis dahin noch nie erlebt!

Das „hostel for needy children“ ist ein Schülerwohnheim, das Waisenkindern von Kagadi ein Zuhause und die Chance eine Schule zu besuchen bietet, was in Uganda keinesfalls selbstverständlich ist. Nur sechs von zehn Kindern haben hier die Möglichkeit zur Schule zu gehen. Das Wohnheim besteht aus einem Hauptgebäude mit den Schlafsälen für die Mädchen und Jungen und dem Schlafzimmer der Betreuerin des Hostels, einem Speise- und Aufenthaltsraum, zwei Sanitärgebäuden, einem Küchengebäude und Wassertanks. Die Gebäude werden mit Hilfe einer Solaranlage mit Strom versorgt. Weiterhin gehören auch drei kleinere Ställe (für Kühe, Schweine und Hühner) und selbst bestellte Felder zum Wohnheim, die dieses mit den notwendigen Grundnahrungsmitteln versorgen sollen.

Das Projekt wurde 1997 von Bernhard Kalt, einem ehemaligen Lehrer des Gymnasiums Bammental, nach seiner Pensionierung ins Leben gerufen und ihm habe ich die wunderschöne Zeit, die ich dort mit den Kindern verbracht habe, zu verdanken.


Während meines vierwöchigen Aufenthalts habe ich versucht so viel Zeit wie möglich mit den Kindern zu verbringen, was allerdings nicht immer so einfach war, da die Kinder zum einen von 8 bis 17 Uhr in der Schule waren und zum anderen jede Menge Aufgaben im Hostel übernehmen mussten. In der verbleibenden Zeit habe ich mit den Kindern verschiedene Spiele gemacht oder in kleineren Gruppen Englisch geübt. Während die Kinder in der Schule waren habe ich mich entweder im Hostel etwas nützlich gemacht oder habe verschiedenen Institutionen in Kagadi besucht (z.B. das Krankenhaus oder verschiedene Schulen).

Von den vielen verschiedenen Eindrücken, die ich von Kagadi mit nach Hause genommen habe, ist mir vor allem die enorme Begeisterungsfähigkeit der Kinder im Gedächtnis geblieben. Sie freuen sich über jede Kleinigkeit und jede Zuwendung, auch wenn es nur etwas Aufmerksamkeit oder ein Lächeln ist. Beeindruckend finde ich auch die unerschütterbare Fröhlichkeit der Kinder. Obwohl jedes dieser Kinder schon viele schlechte Erfahrungen gemacht hat und Schicksalsschläge hinnehmen musste und das Leben in Uganda nicht immer einfach ist, strahlen sie eine enorme Lebensfreude aus.


Seit meiner Rückkehr aus Kagadi vor einem Jahr hat sich vieles im Hostel getan. In der Küche wurde die bisher zum Kochen genutzte Feuerstelle durch einen Herd ersetzt, der das Kochen für die beiden Köchinnen enorm erleichtert und außerdem die benötigte Holzmenge reduziert, der Bestand an Hühnern wurde vergrößert, was den Verkauf von Eiern auf dem lokalen Markt ermöglicht, und zuvor noch brach gelegene Felder wurden mittlerweile bepflanzt. Weiterhin befindet sich eine Lehrwerkstatt im Aufbau, um einigen Kindern größere Perspektiven für spätere Arbeit zu ermöglichen.


Dieser Fortschritt ist zum einen dem unermüdlichen Einsatz von Bernhard Kalt zu verdanken, der mehrmals im Jahr nach Kagadi reist um dort die Arbeit im Projekt voranzutreiben, und zum anderen natürlich der Unterstützung des Projektes durch Mitglieder des Vereins und großzügiger Spender. Auch das Gymnasium Bammental hat in diesem Jahr wieder verschiedene Anlässe genutzt um Spenden für das Projekt zu sammeln und um auf das Projekt aufmerksam zu machen. So wurde z.B. der Erlös des Weihnachtskonzerts dem Projekt gespendet, bei der Vorstellung der Schule für die zukünftigen 5.-Klässler wurden Stellwände aufgestellt, die über das Projekt informierten und der Freundeskreis veranstaltete einen Diaabend zugunsten des Projekts.


Ganz herzlichen Dank an alle Beteiligten!

Tanja Frietsch

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